Hedwig von Redern - Ihr Leben, ihre Lieder
Mit "Weiß ich den Weg auch nicht" beginnt eines der bekanntesten Lieder von Hedwig von Redern. Seitdem es 1901 verfasst wurde, war es für viele Glaubensgeschwister ein Trost und ein Segen zugleich. Bis heute lebt es in den Gottesdiensten und Herzen weiter. Wenn du es noch nicht kennen solltest, kannst du dir hier eine sehr schöne Version davon anhören:
Ein weiteres bekanntes Lied von Hedwig von Redern ist "Wenn nach der Erde Leid Arbeit und Pein". Zu diesem gibt es eine ganz besondere Geschichte:
"Unter dem Schatten der alten Kirche ruhe ich ein Weilchen vom Aufstieg zur Höhe. Gleich werden die Glocken klingen, und die alten ausgetretenen Pfade unter den blühenden Bäumen werden sich beleben.
Ein Evangeliumsfest soll gefeiert werden. Vom Tal her schallt Gesang. Jugendliche Scharen ziehen die Schluchten zum Festort hinauf. Sie tragen ein neues Lied auf den Lippen:
Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein
ich in die goldenen Gassen zieh ein,
wird nur das Schau’n meines Heilands allein
Grund meiner Freude und Anbetung sein.
Ich kenne das Lied noch nicht. Aber ehe ich mir die Frage über den musikalischen Wert beantworte, erscheint der Gedanke, dass das Lied mit seinem beschwingten Refrain und seinem so sieghaft herausgestellten Glaubensziel aller Kinder Gottes, die Herzen, die Häuser, die Versammlungssäle erobern wird.
Die ersten Gruppen der jungen Sänger ziehen zur Pforte des alten Kirchhofs ein und grüßen mich. Ich frage: „Wo habt ihr das Lied her?“ Sie antworten: „Der N. N. hat es gestern von Berlin mitgebracht. Es ist von H. v. R.“. „So, und unterwegs habt ihr es schon gelernt?“ „Ja, im Wald und auf der Heide! Es ist ein feines Lied! Wir haben uns gleich daraufgestürzt.“ Ich sehe noch diese und jene straffe jugendliche Gestalt vor mir und freute mich an den leuchtenden Augen. Lebendige Hoffnung! Lieder, auf die man „sich stürzt“, sind gewöhnlich in kurzer Zeit verbraucht. Es gab Zeiten, wo bei jeder Gedächtnisfeier, bei jeder Bibelstunde, in der von der ewigen Hoffnung des Volkes Gottes die Rede war, das Lied gesungen werden musste: „Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein.“ So konnte es natürlich nicht bleiben. Die Gemeinde hat zu viel herrliche, tiefe Lieder von dieser großen Hoffnung. Sie konnte und durfte sie nicht vergessen.
Aber das Lied „Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein“ trägt doch den Keim des Unvergänglichen in sich. Genau dreißig Jahre nach jenem Sonntagmorgen, einige Wochen nach dem Tode von H. v. R., stand ich in der Erlöserkirche in Essen mit einer Schar von Brüdern am Altar. Die große Gemeinde der Tersteegensruher Konferenz feierte das heilige Mahl. Es war eine Stunde, wo sich uns wirklich im schweren Kampf um die Dinge unseres Glaubens und Zeugnisses der Himmel öffnete.
Als sich am Schluss die Kirchenpforten öffneten und in tiefer Stille die feiernde Gemeinde auseinanderging, stimmte auf einmal irgendjemand das Lied an: „Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein ich in die goldenen Gassen zieh ein.“ In einem Augenblick verbreitete sich der Gesang über den ganzen Kirchplatz und die einmündenden Straßen. Die Menschen der Großstadt lauschten auf. Neben mir ging ein altes Ehepaar. Der Mann am Arm seiner Frau sah so hinfällig aus, als ob er diesen goldenen Gassen schon ganz nahe sei. Er fasste nach der freien Hand seiner Gattin und mit einem Blick des Friedens in seinen Augen, den ich nie vergessen werde, sagte er: „Nun habe ich noch einmal dieses Lied im Kreis der Gemeinde singen dürfen.“
Diese Geschichte stammt aus der ersten Veröffentlichung im Verlag edition predigt.archiv: Der Biografie von Hedwig von Redern.
Unter dem Titel "Hedwig von Redern - Ihr Leben, ihre Lieder" ist ihre Biografie vereint mit all ihren Liedern und Gedichten. Ergänzt um Geschichten, die sich um ihre Lieder herum zugetragen haben. Das Buch ist ab sofort als Taschenbuch und E-Book bei amazon.de und als E-Book unter anderem bei thalia.de erhältlich.
Lange Zeit gab es keine Biografie von Hedwig von Redern. Mein Wunsch ist, dass das neu veröffentlichte Buch dazu beiträgt, dass ihre Lieder wieder mehr gesungen werden und Erbauung durch ihre Lebensgeschichte, die von Leid und Not geprägt war, geschehen kann.